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Ihrer Zeit voraus
Gemeinnützige Impulse Privatstiftung
Völlig neue Wege geht die Stifterin mit der gemeinnützigen Impulse Privatstiftung. Jährlich sollen von der Stiftung in den Bereichen Kunst, Kultur, Pädagogik, Wissenschaft, Forschung, Homöopathie, ökologischer Landbau sowie Aus- und Weiterbildung rund 1 Mio. Schilling ausgeschüttet werden. Die Mittel der Stiftung stammen aus dem väterlichen Erbe. Feldkirch aktuell hat sich mit
der Stifterin und Dr. Andreas Insam, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, über Beweggründe und Ziel unterhalten.
Frau Doktor, wie kamen Sie auf die Idee, eine Privatstiftung zu gründen?
Stifterin: Ich habe schon längere Zeit gewusst, dass es sich um viel Geld dreht, das ich erben könnte. Da die von mir geerbte Summe im privaten Bereich nicht wirklich aufgebraucht werden kann, ging es mir um eine sinnvolle Verwendung des Geldes. Ich habe mir deshalb überlegt, was mich im Leben interessiert und bin zum Schluss gekommen, dass es die Verbindung zu Künstlern und zu Menschen, die sich für die Umwelt, die Sicht von Zusammenhänge im Leben interessieren, ist sowie die
anthroposophische Bewegung, also die Waldorfschulen und der biodynamische Ackerbau.
Aus meiner Biographie und meinen Interessen heraus sowie aufgrund von Bereichen, in denen in Vorarlberg Menschen innovative Schritte setzen, die ich als spannend empfinde, ist die Widmung dieser Stiftung entstanden.
Wie sieht die Unterstützung ihrer "Schützlinge" aus?
Stifterin: Die moderne Kulturförderung, mit der wir uns auseinandergesetzt haben, nimmt jemanden, der eine Idee hat, von etwas fasziniert und angezogen ist und das im Leben umsetzen will, ernst und beim Wort. Sie versucht ihm in diesem Sinne Partner zu sein und sein Anliegen auf konkrete Beine zu stellen.
Nach welchen Kriterien erfolgt die Entscheidung über die Geldvergabe?
Dr. Insam: Ein potentieller Stipendiat, eine natürliche oder juristische Person, beschreibt das Projekt und reicht dieses bei einem der Vorstände oder Beiräte ein. Der Vorstandsvorsitzende überlegt, wer der Beiräte das Projekt am besten begutachten könnte. Die Beiräte und Vorstände decken die einzelnen Fachbereiche ab. Das Projekt wird dann in der großen Runde vorgestellt und dort eine einhellige Entscheidung getroffen, ob etwas gefördert wird oder nicht.
Die Idee ist darüber hinaus, dass das Projekt während der ganzen Stipendienzeit begleitet wird und dass die Dame oder der Herr oder die Institutionen sich dann auch in unserem Kreis einbringt. Gleichzeitig hoffen wir, dass auch andere Institutionen wie z. B. die Gemeinde, das Land oder der Bund unserem Beispiel folgen und bestimmte Projekte fördern. Damit wollen wir Impulse im wahrsten Sinne des Wortes setzen und auch eine Art Multiplikator-Effekt erzielen.
Gibt es eine Höchst-Fördersumme für ein Projekt?
Dr. Insam: Die Früchte des Kapitals wollen wir ausschütten. Das ist je nach Zinsniveau verschieden, derzeit fast eine Million Schilling im Jahr. Daraus wurde heuer beispielsweise ein Stipendium für eine Studentin über insgesamt 155.000 Schilling vergeben. Es gibt aber auch Kleinprojekte, die wir fördern, das geht von 5.000,- bis 200.000 Schilling. Wir möchten schon ein Portfolio haben an Sachen, die wir unterstützen.
In unserer Sitzung am 4. Dezember Sitzung werden wir wieder über neue Stipendien entscheiden. Es geht um Verlegung von Büchern, um eine Werkstätte, die wir fördern wollen, die Entstehung eines Waldorfkindergartens u.v.a.m.
Die Stiftung ist ja noch relativ jung und noch nicht so bekannt. Wie kommen die Bewerber zu Ihnen oder Sie zu Projekten?
Stifterin: Wir haben bewusst Abstand genommen von der großen Presse. Wir wollen schrittweise arbeiten und gewisse Übungsfelder einmal betreten, die sich aus den Mitwirkenden im Beirat und im Vorstand ergeben. Hier sind bestimmte Menschen und Lebensbereiche und diese Menschen gestalten derzeit sehr stark mit. Daraus wird sich das Weitere ergeben.
Dr. Insam: Den gesetzlichen Rahmen für die gemeinnützige Stiftung bietet das österreichische Privatstiftungsrecht, welches sehr streng ist. D.h. wir werden auch kontrolliert, wir müssen bilanzieren. Die Pflichtprüfung beschränkt sich dabei nicht nur auf das Zahlenwerk, sondern auch auf die Projekte, die gefördert werden. Es ist auch eine qualitative Prüfung.
Wichtig erscheint mir, folgenden Aspekt noch hervorzuheben: Alle politischen Parteien haben sich inzwischen die ökologische Sichtweise auf die Fahnen geheftet. Neu ist dieses Denken beim Endsparer, beispielsweise bei der Verwendung von Kapital. Da ist
die Stifterin ihrer Zeit voraus, indem sie die Erträge ihres Kapitals wieder in den Kreislauf zurückfließen lässt. Zudem wird nicht alleine eine Entscheidung darüber getroffen, was mit dem Geld passieren soll, sondern ein Kreis von Beratern hinzugezogen.
Der Staat hat in der Vergangenheit die Steuern kassiert und das Geld dann wieder ausgegeben - manchmal oder immer politisch gefärbt. Hier gewinnt das gleiche Eigendynamik und Eigenverantwortung, was weit reizvoller und unkonventioneller ist und die Trefferquote vielleicht auch höher - von dem gehen wir aus.
Erzeugt das nicht eine andere Qualität, eine andere Betroffenheit von beiden Seiten?
Stifterin: Wir haben u.a. Künstler gefragt, was sie sich von einem Geldgeber erwarten. Eines sagen viele ganz deutlich: dass sie Geld aus ethisch verantwortungsvollen Geldquellen wollen. Es ist ihnen also nicht egal, woher das Geld kommt - das haben wir auch in den Statuten verankert! Wir wollen nicht Aktiengewinne ausschütten, die aus Kursgewinnen von z.B. Rüstungsbetrieben herrühren, sondern von ethisch vertretbaren Investments wie z. B. Ökologiefonds.
Das andere ist, dass die Künstler, gerade wenn sie in neuen Bereichen tätig sind, sehr gerne ein Gegenüber und Gesprächspartner haben, Partner, die mitdenken, sie begleiten und wo sie auch einmal in einer geschützten Gruppe ihre Ideen vorbringen können. Für uns ist es andererseits bereichernd, über die eigenen Berufserfahrung hinaus mit andern Bereichen zu tun zu haben und Anteil zu nehmen. Das macht einfach Freude.
Gibt es eine regionale Beschränkung bei den Förderungen?
Stifterin: Wir fördern im Großraum Vorarlberg. Das ist ein bewusster Akzent meinerseits, weil gesamtösterreichisch viele Gelder verteilt werden. Vorarlberg ist ein Raum, der immer zuletzt drankommt und wo sehr viel Energie nach außen wegfließt, aber wenig konzentriert wird. Und deshalb bekenne ich mich bewusst zur Provinz.
Dr. Insam: Zudem ist es Wille der Stifterin, dass der Beirat und der Vorstand ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist (Pädagogen, Geschäftsleute, Soziologen, Dienstleister, Künstler) und nicht etwa politisch besetzt. Diese Funktionen hat jeder Einzelne für drei Jahre übernommen. Das Ziel ist, dass dann eine Umwälzung stattfindet, neue Leute hereinkommen und somit eine permanente Erneuerung stattfindet.
Stifterin: Die Stiftung ist eine Bereicherung für alle, die mitwirken. Es war extrem spannend, dass Menschen aus den verschiedenen Lebensbereichen zusammengespannt werden. Einerseits, die die immer viele Ideen haben, aber nie ein Geld und andererseits Geschäftsleute oder Banker, die alles immer von der Geldseite aufrollen.
Dr. Insam: Das Flugzeug hat abgehoben, die Stiftung funktioniert und ich glaube, es wird ein Volltreffer werden.
Danke für das Gespräch.
((BU))
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Impulse
für innovative Projekte
Die
"Impulse-Privatstiftung" zeigt neue Wege
auf
Die
Stifterin hat das Erbe
aus dem Vermögen ihres Vaters, 15 Millionen
Schilling, nicht - wie sonst wohl üblich - in
Immobilien oder Aktien angelegt, sondern hat damit
die gemeinnützige "lmpulse-Privatstiftung"
ins Leben gerufen. Bisher wurden 14 Projekte mit Beträgen zwischen 300.000,-
und 15.000,- Schilling gefördert. Insgesamt
wurden in den 1 1/2 Jahren des Bestehens schon 1,6
Millionen ausgeschüttet.
Peter Füßl führte mit dem
Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Insam und seinem
Vorstandskollegen Ulrich Rösch das folgende Gespräch
über dieses hoffentlich Schule machende
Projekt.
Kultur: Wenn
man in den Statuten den
Stiftungszweck
liest wird eigentlich klar, dass es um
die Unterstützung von Alternativformen geht, z.B. Waldorf, Homöopathie, ökologische Landwirtschaft.
Innovative
Projekte und Nachhaltigkeit
Rösch:
Das ist richtig, es
geht einfach um innovative Projekte in den
Bereichen Pädagogik, Kunst, Kultur und
Wirtschaft. Wir wollen innovative Impulse setzen,
daher auch der Name der Stiftung, und zwar in
Bereichen, die wirklich nachhaltig tätig werden.
Die Bewerber müssen gegenüber der Stiftung
deutlich machen können, worin ihre Wirksamkeit
besteht, welche Planung, welche Zielsetzung sie haben.
Kultur:
Einmal aus
einem kulturfremden Bereich
gefragt: Kann ein Bauer kommen und sagen,
ich möchte biologischen Landbau betreiben? Können
Sie mich bei der Umstellung meines Betriebes
unterstützen?
Rösch:
Ja, natürlich. Wir haben beispielsweise
die Anfrage eines Hofladens,
der ökologisch
produzieren und die
Produkte selbst direkt absetzen will.
Wir überprüfen
nun, ob das eine nachhaltige Wirksamkeit hat,
ob das Hand und Fuß hat. Es ist ein Prinzip
der Stiftung, nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip
Gelder auszuschütten, sondern die Projekte zu
begleiten.
Stiftungsmitglieder
betreuen Projekte langfristig
Insam:
In der Regel ist es jemand vom Vorstand oder vom
Beirat, der über die Jahre meistens eine enge
freundschaftliche Beziehung zu den Begünstigten
entwickelt, und dann versucht man gemeinsam, möglichst
große Früchte aus dieser Zuwendung für alle
Beteiligten zu erzielen. Bei diesem Hofladen,
sozusagen einem Einzelhandelsgeschäft, wo die
eigenen Produkte und jene vergleichbarer
landwirtschaftlicher Güter vermarktet werden,
handelt es sich um ein Ansuchen aus dem Montafon.
Laut Statuten ist die Stiftung ja ausschließlich
in Vorarlberg tätig.
Kultur: Es
geht also nicht um kurzfristige Feuerwehrmaßnahmen,
sondern um längerfristige Projekte?
Rösch:
Jedes
Mitglied
aus dem Vorstand und aus dem Beirat kommt aus einem Fachgebiet, das sind Gewerbetreibende, pädagogisch Tätige,
Künstler, Ärzte etc.
Je nach
Projekt gibt es einen oder zwei
Begleiter, die sich besonders
darum kümmern.
Kultur: Wer
wird denn im Kulturbereich
gefördert
welche Anforderungen werden an eventuelle
BewerberInnen gestellt?
Insam:
Unsere Stiftung ist
knapp zwei Jahre alt.
Wenn wir die Förderung nach
"Branchen" aufteilen, dann stellt
die Kultur mit 58 Prozent das weitaus
größte Stück vom Gesamtkuchen dar. Konkret
haben wir bis jetzt den letzten Schliff
für eine Gesangsausbildung gefördert, den Ankauf von Instrumenten,
wir haben ein einjähriges Sabbatical für eine
Schauspielerin ermöglicht. Wir haben keine
Schwerpunkte innerhalb der Kultur, aber
Voraussetzung ist schon, dass
wir uns mit den
Projekten dieser Künstler identifizieren können
und Spitzenleistungen fördern möchten. Der Topf
ist zu klein für eine Breitenförderung.
Kultur:
Fördern Sie nur Privatpersonen oder können
sich auch Vereine, Institutionen etc. bewerben?
Insam:
Wir bevorzugen die Förderung von einzelnen Personen. Institutionen haben
oft schon ihre Förderquellen, aber wir fördern
auch Einrichtungen.
Rösch:
Im Kulturbereich waren es im wesentlichen Einzelpersonen, weil das in
Richtung Stipendiate ging, aber wir fördern zum
Beispiel den Waldorf-Kindergarten in Rankweil oder
die Waldorf-Schule in Schaan via die Schüler aus
Vorarlberg, die die Waldorf-Schule dort besuchen.
Kultur:
Wenn sich jemand vom Land, vom Bund etc.
Subventionen erschließen kann, dann wird er von
Ihnen nicht gefördert.
Versuch
der Vernetzung
Rösch:
Wenn ein Antrag gestellt wird, versuchen
wir die Problematik zu verstehen und helfen zunächst
einmal, auch andere Geldquellen zu erschließen.
Ein Prinzip der Stiftung ist auch der Versuch der
Vernetzung, dass wir nicht als einzelne
Einrichtung dastehen, sondern sagen können, schau
mal, da gibt es noch Möglichkeiten, und wenn vier
oder fünf zusammenwirken, dann kann das Projekt
entstehen.
Kultur:
Ihr versteht Euch also auch als
eine Art Beratungsstelle.
Rösch:
Es war uns von Anfang an wichtig,
nicht einfach Geld hinzulegen und dann zu
sagen, so das war's.
Für uns ist die Geldverwendung eine
sehr verantwortungsvolle Sache. Wir wissen,
wenn wir einem Menschen Geld geben, dann
bindet er
damit wieder Lebenskraft, Lebensarbeitszeit
von anderen Menschen,
und wir müssen
das letztlich mitverantworten. Deshalb geben wir
nicht nur einfach das Geld, sondern
begleiten das Projekt auch. Im Bereich der Planung, der
Entwicklungsarbeit liegt vielleicht sogar
die größere
Hilfe, die wir geben können, als das Geld.
Insam:
Die
Bewerber sollten schon
realistische Vorstellungen haben, wir wollen nicht
Leute in irgendeine Richtung leerlaufen lassen, wenn uns ihr
Projekt noch nicht ausgereift erscheint. Es wäre
auch nicht verantwortlich, am Anfang zu helfen und
dann das Projekt nicht gemeinsam zu Ende zu führen.
Es ist
Philosophie der Stiftung, dass wir wirklich
Impulse setzen wollen,
z.B.
indem wir mit 50.000,- Schilling fördern, unter der Voraussetzung, dass das Land Vorarlberg auch 50.000,-
Schilling setzt.
Kultur: Zur Ideologie,
die hinter dieser Stiftung steht. Im Referat von
Herrn Rösch sind mir die Namen Beuys und Steiner
besonders aufgefallen.
Steiner
& Beuys
Rösch:
Für
mich sind das sehr wichtige Persönlichkeiten, und
die Beschäftigung mit ihnen hat mich auch in
Kontakt zur Stifterin gebracht.
Wir kennen uns seit vielen Jahren, und sie hat
mich gebeten, diese Gesichtspunkte in die
Stiftung einzubringen. Ich
wehre mich gegen den Begriff
„Ideologie“, ich würde lieber von „Phänomenologie“
sprechen. Wir haben nicht irgendwelche Theorien im
Kopf, die wir
praktizieren wollen, sondern unser Prinzip ist es,
auf soziale Phenomene zu schauen und dann daraus
Urteile zu ziehen. Da ist nichts vorgeprägt,
sondern das, was sich aus der Situation ergibt,
ist zu verstehen. So habe ich immer auch die
Arbeit von Joseph Beuys verstanden.
lnsam:
Ich komme aus einer ganz anderen Richtung, ich bin der Betriebswirt, der
Banker und der Praktiker. Meine tägliche
Erfahrung ist, dass Leute, die viel Geld haben,
sich an den Früchten eigentlich gar nicht so
erquicken. Im schlimmsten Fall resultieren die
Gespräche mit dem Banker in 1/16 % mehr oder
weniger Zinsen auf dem Sparbuch. Meine Erfahrung
ist die, dass die Stiftung eine Evolution im
Entsparen aufzeigt, also wie man Mittel verwendet,
und wie viel Freude diese Früchte erzeugen, wenn
man sie gezielt weitergibt. Das ist für mich die
praktische Erfahrung.
Kultur:
Beuys und Steiner haben die
heute übliche Geldwirtschaft ja stark kritisiert.
Tut Ihnen da das Banker-Herz nicht weh?
Insam:
Nein, absolut nicht. Ich sehe es als Evolution, nicht nur beim Entsparen,
sondern auch beim Ansparen, dass man hier durchaus
zusätzliche Freude bewirken kann, wenn jemand
gezielt anspart, z.B. wenn er nicht irgendeine
Aktie hat, sondern die Aktie eines Unternehmens,
das darauf spezialisiert ist, weltweit ökologische
Nahrungsmittel zu vertreiben.
Kultur:
Verstehen Sie diese Stiftung also auch als
gesellschaftspolitisch relevant?
Rösch:
Wir sehen es selber als Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung. Unsere
Gesellschaft, und da teile ich die Kritik von
Beuys und Steiner, leidet sehr darunter, dass das
Kapital sich heute in Grund und Boden staut und in
den Wertpapieren. Wir haben eine Entwicklung, die
völlig ungesund ist. Für mich war Steiner eine
Anregung, als er sagte, dass der innovative
Prozess, der Geist, die Erneuerung in der
Gesellschaft hineinbringt, und das Kapital, das so
entsteht, muss letztendlich dem Geist, dem
Kulturleben wieder zufließen, damit dort neue
Erneuerungskräfte gefördert werden. Bei Beuys
hieß das später "Kunst = Kapital".
...
direkter, kürzer und persönlicher
Insam:
Ich sehe es wieder ein bisschen mehr auf
Vorarlberg bezogen und ein bisschen bodenständiger. Das Schöne an dieser Stiftung ist, dass die Ausgaben von uns
entschieden werden, dass es keine politische
Entscheidung ist. Wir leben in einem System, in
dem wir sehr viel Steuern zahlen, und dann
entscheiden politische Parteien, was gefördert
und was nicht gefördert wird. Hier ist der Weg
direkter, kürzer und persönlicher und deshalb
langfristig auch viel fruchtbarer.
Rösch:
Insofern ein Schritt zur Bürgergesellschaft, zur
civil society, also die Bürger schließen sich
zusammen und nehmen ihr Geschick selbst in die
Hand. Normalerweise streben solche Bürgerinitiativen
einen Kindergarten, ein Kulturprojekt oder etwas
ähnliches an oder formieren sich gegen etwas. In
diesem Fall sind es Bürger, die sich um Kapital
herum gefunden haben, und gesagt haben, wir wollen
gezielt bestimmte Projekte unterstützen, die zur
sozialen Erneuerung beitragen.
Insam:
Jener
Teil des Budgets einer Gemeinde, über den man
wirklich frei verfügen kann, ist sehr klein.
Im Fall von Feldkirch sind das vielleicht
10 Millionen. Unsere Stiftung ist nicht besonders
groß, aber weil die Veranlagung relativ
risikoreich ist, ist auch das Früchteniveau sehr
hoch. Wir verdienen 15 bis 20 Prozent pro Jahr und
konnten in 1 ½ Jahren 1,6 Millionen Schilling ausschütten. Das heißt, wir können mit
unseren sechs Vorstandssitzungen pro Jahr doch
etwas bewegen, verglichen mit dem Ausschuss
irgendeiner Gemeinde, wo man zwei Stunden über
die Ausgabe von 50.000,- Schilling diskutiert.
...
neue Formen des Ansparens und Entsparens
Rösch:
Das Kapital ist auch nicht nur nach
Ertragsgesichtspunkten veranlagt, sondern die
Veranlagung erfolgt ebenfalls nach den Prinzipien
der Stiftung, also zum Beispiel nach ökologischen
und ethischen Gesichtspunkten.
Insam:
Ziemlich genau die Hälfte ist in
festverzinslichen Wertpapieren angelegt, und davon
ist ein Drittel in Papiere investiert, wo die
Schuldnerqualität relativ schlecht ist, also
Anleihen aus Mexiko, Argentinien, Brasilien. Dort
gibt es ein jährliches Früchteniveau von 18
Prozent. Die andere Hälfte ist in Aktien
investiert, fast zur Gänze in Unternehmungen, die
sehr ökologisch wirtschaften und die im Bereich
der Alternativenergie angesiedelt sind. In der
langfristigen Planung gehen wir von 10 Prozent aus
und wollen das Nominalkapital nicht anrühren.
Kultur:
Sie haben sich beim Aktienkauf also nicht nur
am höchstmöglichen Gewinn orientiert sondern
haben auch wieder gesellschaftspolitische Aspekte
im Auge.
Insam:
Das ist die Spezialität meines Arbeitgebers, der Hypo Investment Bank in
Vaduz. Diese Anlagepolitik hat inzwischen schon
einige Nachahmer gefunden. Wir sind absolut keine
Grüne Bank, aber 10 Prozent des Kundenvolumens,
das sind etwa 4 Milliarden Schilling, haben wir so
veranlagt.
Kultur:
Sie haben in Ihrem Referat auch die öffentliche
Hand kritisiert, ich zitiere: "Zwar hat der
Staat durch die Steuern die Form der Zwangsbeschränkung
eingeführt, aber er verwaltet dieses Geld völlig
ineffizient und ohne jeglichen Sachverstand, dafür
mit umso mehr Machtausübung." Soll diese
Stiftung auch als Gegengewicht zur gängigen
Praxis der öffentlichen Hand verstanden werden?
Rösch:
Diese Kritik muss ich zunächst auf Deutschland
beziehen, die österreichischen Verhältnisse
kenne ich zu wenig. Aber die Schulen, die am ökonomischsten
und effektivsten arbeiten, sind die Schulen in
freier Trägerschaft. Das gilt genauso für die
Krankenhäuser. Sobald der Staat die Finger drin
hat, wird es teuer und ineffizient. Da ist unser
Impuls zu sagen, übergebt das den Bürgern, die
machen das besser, wenn nicht die Politik
dazwischenkommt. Insofern verstehen wir uns
wirklich als Element der sozialen Plastik, wie sie
Beuys verstanden hat, als ein neues soziales
Projekt. Wir gehen miteinander einen
Entwicklungsweg, Herr Insam und ich stellen zwar
eine gewisse Polarität dar, aber wir arbeiten
unglaublich effizient zusammen.
Kultur:
Aber ganz
ohne Machtausübung geht
es ja auch nicht.
Wenn ich beim Land ansuche, komme
ich vor irgendeine Kommission, wenn ich
bei Euch ansuche, komme ich vor den Beirat
Lasst
100 Blumen blühen ...
Rösch:
Unser
Wunsch wäre es, dass nicht nur diese
Impulse-Privatstiftung besteht, sondern um es mit
Mao-Tse Tung zu sagen: "Lasst 100 Blumen blühen
- lasst 100 Schulen miteinander
wettstreiten." Ich würde mich freuen, wenn
100 solche Privatstiftungen in Vorarlberg
entstehen würden, dann können sich die Menschen
die aussuchen, zu der sie Vertrauen haben. Wir
wollen keinesfalls Macht ausüben, aber
selbstverständlich werden diejenigen, die
abgelehnt werden, weil sie unserer Meinung nach
nicht nachhaltig, nicht sozial innovativ arbeiten,
diese Ablehnung als eine Machtentscheidung
empfinden.
Kultur:
Kann
man sagen, die Privatstiftung
will im
Kleinen das verwirklichen, was Beuys und Steiner im Großen nicht geschafft haben, nämlich den
künstlerischen Umgang mit Geld.
Rösch:
Das kann man durchaus so sagen, in einem partialen
Bereich ist es der Versuch, so mit Geld und mit
sozialen Verhältnissen umzugehen, wie es Steiner
und Beuys für den gesamten sozialen Organismus
gedacht hatten.
Kultur:
Sie verstehen das nicht als Utopie, sondern als
reale Möglichkeit?
Rösch:
Wenn Sie mich als Utopie bezeichnen wollen. Ich
denke, ich sitze sehr real vor Ihnen und so real
arbeitet auch die Stiftung. Im Vorstand und im
Beirat sind nicht immer alle einer Meinung, aber
wir sind in einem Entwicklungsprozess und haben im
Grund genommen alle bisherigen Entscheidungen einmütig
getroffen.
Kultur:
Wie geht man konkret vor, wenn man sich bei der
Stiftung bewerben will?
Insam:
Man muss der Stiftung eine relativ genaue Projektbeschreibung und
Kostenberechnungen schicken, am besten an die
Koordinationsstelle. Die bespricht das Ansuchen
mit einem der Vorstandsmitglieder bezüglich der
Konformität mit den Statuten, und dann treten
zwei Mitglieder der Stiftung mit dem Gesuchsteller
in Kontakt und besprechen mit ihm das Projekt ausführlich.
In einer erweiterten Vorstandssitzung wird es dann
genehmigt oder abgelehnt.
Bis jetzt sind 43 % genehmigt worden.
Peter
Füßl
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