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"Die Förderung des Sulmtaler Huhns - Oder: Was die Impulse Privatstiftung so alles fördert", Kultur, Mai 2010 (2-seitig)

Kultur im Gespräch mit Christian Müller, Vorstandsvorsitzender

"Verschworene Gemeinschaft", Liechtensteiner Volksblatt, 19.01.2006
Gemeinnützige Stiftungen bringen Wertzuwachs und soziales Netz als Zusatzrendite

Fest der Begegnung in der Götzner Churerstraße, Dez. 2002
Gemeindeblatt der Kummenbergregion, Amtsteil von Götzis

"Impulse für innovative Projekte", Kultur, Juli/Aug. 2000
KULTUR im Gespräch mit Dr. Andreas Insam und Ulrich Rösch über das innovative Projekt.

"Ihrer Zeit voraus", Feldkirch Aktuell, 6/98
Feldkirch aktuell im Gespräch mit der Stifterin und Dr. Andreas Insam über die gemeinnützige Impulse Privatstiftung.



Ihrer Zeit voraus

Gemeinnützige Impulse Privatstiftung


Völlig neue Wege geht die Stifterin mit der gemeinnützigen Impulse Privatstiftung. Jährlich sollen von der Stiftung in den Bereichen Kunst, Kultur, Pädagogik, Wissenschaft, Forschung, Homöopathie, ökologischer Landbau sowie Aus- und Weiterbildung rund 1 Mio. Schilling ausgeschüttet werden. Die Mittel der Stiftung stammen aus dem väterlichen Erbe. Feldkirch aktuell hat sich mit der Stifterin und Dr. Andreas Insam, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, über Beweggründe und Ziel unterhalten.

Frau Doktor, wie kamen Sie auf die Idee, eine Privatstiftung zu gründen?

Stifterin: Ich habe schon längere Zeit gewusst, dass es sich um viel Geld dreht, das ich erben könnte. Da die von mir geerbte Summe im privaten Bereich nicht wirklich aufgebraucht werden kann, ging es mir um eine sinnvolle Verwendung des Geldes. Ich habe mir deshalb überlegt, was mich im Leben interessiert und bin zum Schluss gekommen, dass es die Verbindung zu Künstlern und zu Menschen, die sich für die Umwelt, die Sicht von Zusammenhänge im Leben interessieren, ist sowie die anthroposophische Bewegung, also die Waldorfschulen und der biodynamische Ackerbau.

Aus meiner Biographie und meinen Interessen heraus sowie aufgrund von Bereichen, in denen in Vorarlberg Menschen innovative Schritte setzen, die ich als spannend empfinde, ist die Widmung dieser Stiftung entstanden.

Wie sieht die Unterstützung ihrer "Schützlinge" aus?

Stifterin: Die moderne Kulturförderung, mit der wir uns auseinandergesetzt haben, nimmt jemanden, der eine Idee hat, von etwas fasziniert und angezogen ist und das im Leben umsetzen will, ernst und beim Wort. Sie versucht ihm in diesem Sinne Partner zu sein und sein Anliegen auf konkrete Beine zu stellen.

Nach welchen Kriterien erfolgt die Entscheidung über die Geldvergabe?

Dr. Insam: Ein potentieller Stipendiat, eine natürliche oder juristische Person, beschreibt das Projekt und reicht dieses bei einem der Vorstände oder Beiräte ein. Der Vorstandsvorsitzende überlegt, wer der Beiräte das Projekt am besten begutachten könnte. Die Beiräte und Vorstände decken die einzelnen Fachbereiche ab. Das Projekt wird dann in der großen Runde vorgestellt und dort eine einhellige Entscheidung getroffen, ob etwas gefördert wird oder nicht.

Die Idee ist darüber hinaus, dass das Projekt während der ganzen Stipendienzeit begleitet wird und dass die Dame oder der Herr oder die Institutionen sich dann auch in unserem Kreis einbringt. Gleichzeitig hoffen wir, dass auch andere Institutionen wie z. B. die Gemeinde, das Land oder der Bund unserem Beispiel folgen und bestimmte Projekte fördern. Damit wollen wir Impulse im wahrsten Sinne des Wortes setzen und auch eine Art Multiplikator-Effekt erzielen.

Gibt es eine Höchst-Fördersumme für ein Projekt?

Dr. Insam: Die Früchte des Kapitals wollen wir ausschütten. Das ist je nach Zinsniveau verschieden, derzeit fast eine Million Schilling im Jahr. Daraus wurde heuer beispielsweise ein Stipendium für eine Studentin über insgesamt 155.000 Schilling vergeben. Es gibt aber auch Kleinprojekte, die wir fördern, das geht von 5.000,- bis 200.000 Schilling. Wir möchten schon ein Portfolio haben an Sachen, die wir unterstützen.

In unserer Sitzung am 4. Dezember Sitzung werden wir wieder über neue Stipendien entscheiden. Es geht um Verlegung von Büchern, um eine Werkstätte, die wir fördern wollen, die Entstehung eines Waldorfkindergartens u.v.a.m.

Die Stiftung ist ja noch relativ jung und noch nicht so bekannt. Wie kommen die Bewerber zu Ihnen oder Sie zu Projekten?

Stifterin: Wir haben bewusst Abstand genommen von der großen Presse. Wir wollen schrittweise arbeiten und gewisse Übungsfelder einmal betreten, die sich aus den Mitwirkenden im Beirat und im Vorstand ergeben. Hier sind bestimmte Menschen und Lebensbereiche und diese Menschen gestalten derzeit sehr stark mit. Daraus wird sich das Weitere ergeben.

Dr. Insam: Den gesetzlichen Rahmen für die gemeinnützige Stiftung bietet das österreichische Privatstiftungsrecht, welches sehr streng ist. D.h. wir werden auch kontrolliert, wir müssen bilanzieren. Die Pflichtprüfung beschränkt sich dabei nicht nur auf das Zahlenwerk, sondern auch auf die Projekte, die gefördert werden. Es ist auch eine qualitative Prüfung.

Wichtig erscheint mir, folgenden Aspekt noch hervorzuheben: Alle politischen Parteien haben sich inzwischen die ökologische Sichtweise auf die Fahnen geheftet. Neu ist dieses Denken beim Endsparer, beispielsweise bei der Verwendung von Kapital. Da ist die Stifterin ihrer Zeit voraus, indem sie die Erträge ihres Kapitals wieder in den Kreislauf zurückfließen lässt. Zudem wird nicht alleine eine Entscheidung darüber getroffen, was mit dem Geld passieren soll, sondern ein Kreis von Beratern hinzugezogen.
Der Staat hat in der Vergangenheit die Steuern kassiert und das Geld dann wieder ausgegeben - manchmal oder immer politisch gefärbt. Hier gewinnt das gleiche Eigendynamik und Eigenverantwortung, was weit reizvoller und unkonventioneller ist und die Trefferquote vielleicht auch höher - von dem gehen wir aus.

Erzeugt das nicht eine andere Qualität, eine andere Betroffenheit von beiden Seiten?

Stifterin: Wir haben u.a. Künstler gefragt, was sie sich von einem Geldgeber erwarten. Eines sagen viele ganz deutlich: dass sie Geld aus ethisch verantwortungsvollen Geldquellen wollen. Es ist ihnen also nicht egal, woher das Geld kommt - das haben wir auch in den Statuten verankert! Wir wollen nicht Aktiengewinne ausschütten, die aus Kursgewinnen von z.B. Rüstungsbetrieben herrühren, sondern von ethisch vertretbaren Investments wie z. B. Ökologiefonds.

Das andere ist, dass die Künstler, gerade wenn sie in neuen Bereichen tätig sind, sehr gerne ein Gegenüber und Gesprächspartner haben, Partner, die mitdenken, sie begleiten und wo sie auch einmal in einer geschützten Gruppe ihre Ideen vorbringen können. Für uns ist es andererseits bereichernd, über die eigenen Berufserfahrung hinaus mit andern Bereichen zu tun zu haben und Anteil zu nehmen. Das macht einfach Freude.

Gibt es eine regionale Beschränkung bei den Förderungen?

Stifterin: Wir fördern im Großraum Vorarlberg. Das ist ein bewusster Akzent meinerseits, weil gesamtösterreichisch viele Gelder verteilt werden. Vorarlberg ist ein Raum, der immer zuletzt drankommt und wo sehr viel Energie nach außen wegfließt, aber wenig konzentriert wird. Und deshalb bekenne ich mich bewusst zur Provinz.

Dr. Insam: Zudem ist es Wille der Stifterin, dass der Beirat und der Vorstand ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist (Pädagogen, Geschäftsleute, Soziologen, Dienstleister, Künstler) und nicht etwa politisch besetzt. Diese Funktionen hat jeder Einzelne für drei Jahre übernommen. Das Ziel ist, dass dann eine Umwälzung stattfindet, neue Leute hereinkommen und somit eine permanente Erneuerung stattfindet.

Stifterin: Die Stiftung ist eine Bereicherung für alle, die mitwirken. Es war extrem spannend, dass Menschen aus den verschiedenen Lebensbereichen zusammengespannt werden. Einerseits, die die immer viele Ideen haben, aber nie ein Geld und andererseits Geschäftsleute oder Banker, die alles immer von der Geldseite aufrollen.

Dr. Insam: Das Flugzeug hat abgehoben, die Stiftung funktioniert und ich glaube, es wird ein Volltreffer werden.

Danke für das Gespräch.

((BU))

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Impulse für innovative Projekte

Die "Impulse-Privatstiftung" zeigt neue Wege auf

Die Stifterin hat das Erbe aus dem Vermögen ihres Vaters, 15 Millionen Schilling, nicht - wie sonst wohl üblich - in Immobilien oder Aktien angelegt, sondern hat damit die gemeinnützige "lmpulse-Privatstiftung" ins Leben gerufen.  Bisher wurden 14 Projekte mit Beträgen zwischen 300.000,- und 15.000,- Schilling gefördert. Insgesamt wurden in den 1 1/2 Jahren des Bestehens schon 1,6 Millionen ausgeschüttet.  Peter Füßl führte mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Insam und seinem Vorstandskollegen Ulrich Rösch das folgende Gespräch über dieses hoffentlich Schule machende Projekt. 

Kultur: Wenn man in den Statuten den Stiftungszweck liest wird eigentlich klar, dass es um die Unterstützung von Alternativformen geht, z.B. Waldorf, Homöopathie, ökologische Landwirtschaft.

Innovative Projekte und Nachhaltigkeit

Rösch: Das ist richtig, es geht einfach um innovative Projekte in den Bereichen Pädagogik, Kunst, Kultur und Wirtschaft. Wir wollen innovative Impulse setzen, daher auch der Name der Stiftung, und zwar in Bereichen, die wirklich nachhaltig tätig werden. Die Bewerber müssen gegenüber der Stiftung deutlich machen können, worin ihre Wirksamkeit besteht, welche Planung, welche Zielsetzung sie haben.

Kultur: Einmal aus einem kulturfremden Bereich gefragt: Kann ein Bauer kommen und sagen, ich möchte biologischen Landbau betreiben? Können Sie mich bei der Umstellung meines Betriebes unterstützen?

Rösch: Ja, natürlich. Wir haben beispielsweise die Anfrage eines Hofladens, der ökologisch produzieren und die Produkte selbst direkt absetzen will. Wir überprüfen nun, ob das eine nachhaltige Wirksamkeit hat, ob das Hand und Fuß hat. Es ist ein Prinzip der Stiftung, nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip Gelder auszuschütten, sondern die Projekte zu begleiten.

Stiftungsmitglieder betreuen Projekte langfristig

Insam: In der Regel ist es jemand vom Vorstand oder vom Beirat, der über die Jahre meistens eine enge freundschaftliche Beziehung zu den Begünstigten entwickelt, und dann versucht man gemeinsam, möglichst große Früchte aus dieser Zuwendung für alle Beteiligten zu erzielen. Bei diesem Hofladen, sozusagen einem Einzelhandelsgeschäft, wo die eigenen Produkte und jene vergleichbarer landwirtschaftlicher Güter vermarktet werden, handelt es sich um ein Ansuchen aus dem Montafon.  Laut Statuten ist die Stiftung ja ausschließlich in Vorarlberg tätig.

Kultur: Es geht also nicht um kurzfristige Feuerwehrmaßnahmen, sondern um längerfristige Projekte?

Rösch: Jedes Mitglied aus dem Vorstand und aus dem Beirat kommt aus einem Fachgebiet, das sind Gewerbetreibende, pädagogisch Tätige, Künstler, Ärzte etc. Je nach Projekt gibt es einen oder zwei Begleiter, die sich besonders darum kümmern.

Kultur: Wer wird denn im Kulturbereich gefördert welche Anforderungen werden an eventuelle BewerberInnen gestellt?

Insam: Unsere Stiftung ist knapp zwei Jahre alt. Wenn wir die Förderung nach "Branchen" aufteilen, dann stellt die Kultur mit 58 Prozent das weitaus größte Stück vom Gesamtkuchen dar. Konkret haben wir bis jetzt den letzten Schliff für eine Gesangsausbildung gefördert, den Ankauf von Instrumenten, wir haben ein einjähriges Sabbatical für eine Schauspielerin ermöglicht. Wir haben keine Schwerpunkte innerhalb der Kultur, aber Voraussetzung ist schon, dass wir uns mit den Projekten dieser Künstler identifizieren können und Spitzenleistungen fördern möchten. Der Topf ist zu klein für eine Breitenförderung.

Kultur: Fördern Sie nur Privatpersonen oder können sich auch Vereine, Institutionen etc. bewerben?

Insam: Wir bevorzugen die Förderung von einzelnen Personen. Institutionen haben oft schon ihre Förderquellen, aber wir fördern auch Einrichtungen.

Rösch: Im Kulturbereich waren es im wesentlichen Einzelpersonen, weil das in Richtung Stipendiate ging, aber wir fördern zum Beispiel den Waldorf-Kindergarten in Rankweil oder die Waldorf-Schule in Schaan via die Schüler aus Vorarlberg, die die Waldorf-Schule dort besuchen.

Kultur: Wenn sich jemand vom Land, vom Bund etc. Subventionen erschließen kann, dann wird er von Ihnen nicht gefördert.

Versuch der Vernetzung

Rösch: Wenn ein Antrag gestellt wird, versuchen wir die Problematik zu verstehen und helfen zunächst einmal, auch andere Geldquellen zu erschließen. Ein Prinzip der Stiftung ist auch der Versuch der Vernetzung, dass wir nicht als einzelne Einrichtung dastehen, sondern sagen können, schau mal, da gibt es noch Möglichkeiten, und wenn vier oder fünf zusammenwirken, dann kann das Projekt entstehen.

Kultur: Ihr versteht Euch also auch als eine Art Beratungsstelle.

Rösch: Es war uns von Anfang an wichtig, nicht einfach Geld hinzulegen und dann zu sagen, so das war's.  Für uns ist die Geldverwendung eine sehr verantwortungsvolle Sache. Wir wissen, wenn wir einem Menschen Geld geben, dann bindet er damit wieder Lebenskraft, Lebensarbeitszeit von anderen Menschen, und wir müssen das letztlich mitverantworten. Deshalb geben wir nicht nur einfach das Geld, sondern begleiten das Projekt auch. Im Bereich der Planung, der Entwicklungsarbeit liegt vielleicht sogar die größere Hilfe, die wir geben können, als das Geld.

Insam: Die Bewerber sollten schon realistische Vorstellungen haben, wir wollen nicht Leute in irgendeine Richtung leerlaufen lassen, wenn uns ihr Projekt noch nicht ausgereift erscheint. Es wäre auch nicht verantwortlich, am Anfang zu helfen und dann das Projekt nicht gemeinsam zu Ende zu führen. Es ist Philosophie der Stiftung, dass wir wirklich Impulse setzen wollen, z.B. indem wir mit 50.000,- Schilling fördern, unter der Voraussetzung, dass das Land Vorarlberg auch 50.000,- Schilling setzt.

Kultur: Zur Ideologie, die hinter dieser Stiftung steht. Im Referat von Herrn Rösch sind mir die Namen Beuys und Steiner besonders aufgefallen.

Steiner & Beuys

Rösch: Für mich sind das sehr wichtige Persönlichkeiten, und die Beschäftigung mit ihnen hat mich auch in Kontakt zur Stifterin gebracht. Wir kennen uns seit vielen Jahren, und sie hat mich gebeten, diese Gesichtspunkte in die Stiftung einzubringen. Ich wehre mich gegen den Begriff „Ideologie“, ich würde lieber von „Phänomenologie“ sprechen. Wir haben nicht irgendwelche Theorien im Kopf, die wir praktizieren wollen, sondern unser Prinzip ist es, auf soziale Phenomene zu schauen und dann daraus Urteile zu ziehen. Da ist nichts vorgeprägt, sondern das, was sich aus der Situation ergibt, ist zu verstehen. So habe ich immer auch die Arbeit von Joseph Beuys verstanden.

lnsam: Ich komme aus einer ganz anderen Richtung, ich bin der Betriebswirt, der Banker und der Praktiker. Meine tägliche Erfahrung ist, dass Leute, die viel Geld haben, sich an den Früchten eigentlich gar nicht so erquicken. Im schlimmsten Fall resultieren die Gespräche mit dem Banker in 1/16 % mehr oder weniger Zinsen auf dem Sparbuch. Meine Erfahrung ist die, dass die Stiftung eine Evolution im Entsparen aufzeigt, also wie man Mittel verwendet, und wie viel Freude diese Früchte erzeugen, wenn man sie gezielt weitergibt. Das ist für mich die praktische Erfahrung.

Kultur: Beuys und Steiner haben die heute übliche Geldwirtschaft ja stark kritisiert. Tut Ihnen da das Banker-Herz nicht weh?

Insam: Nein, absolut nicht. Ich sehe es als Evolution, nicht nur beim Entsparen, sondern auch beim Ansparen, dass man hier durchaus zusätzliche Freude bewirken kann, wenn jemand gezielt anspart, z.B. wenn er nicht irgendeine Aktie hat, sondern die Aktie eines Unternehmens, das darauf spezialisiert ist, weltweit ökologische Nahrungsmittel zu vertreiben.

Kultur: Verstehen Sie diese Stiftung also auch als gesellschaftspolitisch relevant?

Rösch: Wir sehen es selber als Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung. Unsere Gesellschaft, und da teile ich die Kritik von Beuys und Steiner, leidet sehr darunter, dass das Kapital sich heute in Grund und Boden staut und in den Wertpapieren. Wir haben eine Entwicklung, die völlig ungesund ist. Für mich war Steiner eine Anregung, als er sagte, dass der innovative Prozess, der Geist, die Erneuerung in der Gesellschaft hineinbringt, und das Kapital, das so entsteht, muss letztendlich dem Geist, dem Kulturleben wieder zufließen, damit dort neue Erneuerungskräfte gefördert werden. Bei Beuys hieß das später "Kunst = Kapital".

... direkter, kürzer und persönlicher

Insam: Ich sehe es wieder ein bisschen mehr auf Vorarlberg bezogen und ein bisschen bodenständiger.  Das Schöne an dieser Stiftung ist, dass die Ausgaben von uns entschieden werden, dass es keine politische Entscheidung ist. Wir leben in einem System, in dem wir sehr viel Steuern zahlen, und dann entscheiden politische Parteien, was gefördert und was nicht gefördert wird. Hier ist der Weg direkter, kürzer und persönlicher und deshalb langfristig auch viel fruchtbarer.

Rösch: Insofern ein Schritt zur Bürgergesellschaft, zur civil society, also die Bürger schließen sich zusammen und nehmen ihr Geschick selbst in die Hand. Normalerweise streben solche Bürgerinitiativen einen Kindergarten, ein Kulturprojekt oder etwas ähnliches an oder formieren sich gegen etwas. In diesem Fall sind es Bürger, die sich um Kapital herum gefunden haben, und gesagt haben, wir wollen gezielt bestimmte Projekte unterstützen, die zur sozialen Erneuerung beitragen.

Insam: Jener Teil des Budgets einer Gemeinde, über den man wirklich frei verfügen kann, ist sehr klein.  Im Fall von Feldkirch sind das vielleicht 10 Millionen. Unsere Stiftung ist nicht besonders groß, aber weil die Veranlagung relativ risikoreich ist, ist auch das Früchteniveau sehr hoch. Wir verdienen 15 bis 20 Prozent pro Jahr und konnten in 1 ½  Jahren 1,6 Millionen Schilling ausschütten. Das heißt, wir können mit unseren sechs Vorstandssitzungen pro Jahr doch etwas bewegen, verglichen mit dem Ausschuss irgendeiner Gemeinde, wo man zwei Stunden über die Ausgabe von 50.000,- Schilling diskutiert.

... neue Formen des Ansparens und Entsparens

Rösch: Das Kapital ist auch nicht nur nach Ertragsgesichtspunkten veranlagt, sondern die Veranlagung erfolgt ebenfalls nach den Prinzipien der Stiftung, also zum Beispiel nach ökologischen und ethischen Gesichtspunkten.

Insam: Ziemlich genau die Hälfte ist in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, und davon ist ein Drittel in Papiere investiert, wo die Schuldnerqualität relativ schlecht ist, also Anleihen aus Mexiko, Argentinien, Brasilien. Dort gibt es ein jährliches Früchteniveau von 18 Prozent. Die andere Hälfte ist in Aktien investiert, fast zur Gänze in Unternehmungen, die sehr ökologisch wirtschaften und die im Bereich der Alternativenergie angesiedelt sind. In der langfristigen Planung gehen wir von 10 Prozent aus und wollen das Nominalkapital nicht anrühren.

Kultur: Sie haben sich beim Aktienkauf also nicht nur am höchstmöglichen Gewinn orientiert sondern haben auch wieder gesellschaftspolitische Aspekte im Auge.

Insam: Das ist die Spezialität meines Arbeitgebers, der Hypo Investment Bank in Vaduz. Diese Anlagepolitik hat inzwischen schon einige Nachahmer gefunden. Wir sind absolut keine Grüne Bank, aber 10 Prozent des Kundenvolumens, das sind etwa 4 Milliarden Schilling, haben wir so veranlagt.

Kultur: Sie haben in Ihrem Referat auch die öffentliche Hand kritisiert, ich zitiere: "Zwar hat der Staat durch die Steuern die Form der Zwangsbeschränkung eingeführt, aber er verwaltet dieses Geld völlig ineffizient und ohne jeglichen Sachverstand, dafür mit umso mehr Machtausübung." Soll diese Stiftung auch als Gegengewicht zur gängigen Praxis der öffentlichen Hand verstanden werden?

Rösch: Diese Kritik muss ich zunächst auf Deutschland beziehen, die österreichischen Verhältnisse kenne ich zu wenig. Aber die Schulen, die am ökonomischsten und effektivsten arbeiten, sind die Schulen in freier Trägerschaft. Das gilt genauso für die Krankenhäuser. Sobald der Staat die Finger drin hat, wird es teuer und ineffizient. Da ist unser Impuls zu sagen, übergebt das den Bürgern, die machen das besser, wenn nicht die Politik dazwischenkommt. Insofern verstehen wir uns wirklich als Element der sozialen Plastik, wie sie Beuys verstanden hat, als ein neues soziales Projekt. Wir gehen miteinander einen Entwicklungsweg, Herr Insam und ich stellen zwar eine gewisse Polarität dar, aber wir arbeiten unglaublich effizient zusammen.

Kultur: Aber ganz ohne Machtausübung geht es ja auch nicht.  Wenn ich beim Land ansuche, komme ich vor irgendeine Kommission, wenn ich bei Euch ansuche, komme ich vor den Beirat

Lasst 100 Blumen blühen ...

Rösch: Unser Wunsch wäre es, dass nicht nur diese Impulse-Privatstiftung besteht, sondern um es mit Mao-Tse Tung zu sagen: "Lasst 100 Blumen blühen - lasst 100 Schulen miteinander wettstreiten." Ich würde mich freuen, wenn 100 solche Privatstiftungen in Vorarlberg entstehen würden, dann können sich die Menschen die aussuchen, zu der sie Vertrauen haben. Wir wollen keinesfalls Macht ausüben, aber selbstverständlich werden diejenigen, die abgelehnt werden, weil sie unserer Meinung nach nicht nachhaltig, nicht sozial innovativ arbeiten, diese Ablehnung als eine Machtentscheidung empfinden.

Kultur: Kann man sagen, die Privatstiftung will im Kleinen das verwirklichen, was Beuys und Steiner im Großen nicht geschafft haben, nämlich den künstlerischen Umgang mit Geld.

Rösch: Das kann man durchaus so sagen, in einem partialen Bereich ist es der Versuch, so mit Geld und mit sozialen Verhältnissen umzugehen, wie es Steiner und Beuys für den gesamten sozialen Organismus gedacht hatten.

Kultur: Sie verstehen das nicht als Utopie, sondern als reale Möglichkeit?

Rösch: Wenn Sie mich als Utopie bezeichnen wollen. Ich denke, ich sitze sehr real vor Ihnen und so real arbeitet auch die Stiftung. Im Vorstand und im Beirat sind nicht immer alle einer Meinung, aber wir sind in einem Entwicklungsprozess und haben im Grund genommen alle bisherigen Entscheidungen einmütig getroffen.

Kultur: Wie geht man konkret vor, wenn man sich bei der Stiftung bewerben will?

Insam: Man muss der Stiftung eine relativ genaue Projektbeschreibung und Kostenberechnungen schicken, am besten an die Koordinationsstelle. Die bespricht das Ansuchen mit einem der Vorstandsmitglieder bezüglich der Konformität mit den Statuten, und dann treten zwei Mitglieder der Stiftung mit dem Gesuchsteller in Kontakt und besprechen mit ihm das Projekt ausführlich. In einer erweiterten Vorstandssitzung wird es dann genehmigt oder abgelehnt.  Bis jetzt sind 43 % genehmigt worden.

Peter Füßl

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