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VN Magazin,
Freitag, 18. Mai 2001
Glänzende
Kirtiken für Vera Wenkert's "Elsa"
Die junge Sängerin debütierte in der
Wagner-Partie
von
Eva Jakob
Für
eine junge Sängerin, die das hochdramatische
Wagner-Fach anstrebt, ist die "Elsa"
der erste "Augenblick der Wahrheit".
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Das
erste Engagement ihrer Laufbahn hat Vera Wenkert
nach Trier geführt. Chance - und Handycap
zugleich; denn das Stadttheater ist mit Barem
nicht gerade gesegnet. Schon im Foyer wird einem
eine Karte in die Hand gedrückt: "Theater
ist himmlisch - aber ohne Geld holte s der
Teufel." Für die "Lohengrin"-Aufführung,
in der Vera Wenkert debütieren durfte, waren
Zusatzsubventionen locker gemacht worden. |
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Um
die Atmosphäre darzustellen, muss man wohl zuerst
ein wenig von Trier erzählen. Vergangen ist der
Glanz der Metropole. Die düstere Porta Nigra
erzählt ebenso von der glorreichen Vergangenheit
wie die monumentale Basilika, die einem heute
noch, nach fast 2000 Jahren, angesichts ihrer
Großartigkeit den Atem stocken lässt. Doch:
Tempi passati. Das Theater heute kämpft ums
Überleben. Eine junge Sängerin muss sich mit
einem Mini-Gehalt zufriedengeben. In diesem
restriktiven Umfeld ist es dieser naturgemäß
unmöglich ihre eigene "Elsa"-Auffassung
zu realisieren. |
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Und
- zugegebenermaßen - die von Regisseur Wolfgang
Quetes vorgestellte ist nicht ohne Reiz: Er macht
aus der "Elsa" ein somnambules
Engelswesen, das sich fernab jeder eigenen
Individualität - geschweige denn Persönlichkeit
- dem Traum vom rettenden Ritter hingibt. Dass
Vera Wenkert in diesem Dschungel eine erstaunliche
musikalische Leistung erbringen konnte, ist als
Glücksfall zu bezeichnen.
Frau
Wenkert, Sie haben ein abgeschlossenes
Germanistik-Studium und in Vorarlberg beim ORF im
Bereich Literatur gearbeitet. Warum entschließt
man sich nach diesem halbwegs vorgezeichneten
Berufsweg Sängerin zu werden?
Maßgeblich
beeinflusst wurde ich von Gloria Davy, später
kamen Susanna Eken und Prof. Ingrid Kremling
hinzu. Zurzeit vervollkommne ich meine Stimme bei
Laslo Lucas.
Welche
Lehrer(innen) waren besonders wesentlich für Sie
und warum?
Gloria
Davy arbeitete zunächst mit mir an der
Timbrierung und arbeitete eine gesunde Mittellage
aus. Mit den anderen erarbeitete ich den
Fachwechsel in das jugendlich-dramatische Fach. Es
ist für mich eine große Ehre gewesen, von so
großen Sängerinnen beraten zu werden und an
Feinheiten arbeiten zu können. Herr Lukas, meint
(lacht) und das steht auch in den Kritiken, dass
ich eine besonders große Stimme besitze, für
"Elsa", "Donna Elvira" u.ä.
Herr Lukas ist deshalb sehr wertvoll für mich,
weil er selbst im dramatischen Fach singt. Wenn es
meine Zeit erlaubt, fahre ich zu Frau Kremling zur
Kontrolle. Wesentlich ist für mich Lehrer zu
haben, die auch Demut vor der Musik besitzen.
Wichtig war für mich auch Franz Gürtler - Chef
der Königlichen Opernakademie Kopenhagen. Er
lehrte mich wie man die Musik zum Leben bringt;
über das bloße Handwerk hinaus.
Ein
Beispiel?
Wie
man etwa das Wort "Traum" gesanglich
artikuliert, wie man die Stimmung des Traumes mit
diesem Wort, in diesem Klang malen muss. Im
Idealfall wird das Auditorium in die Atmosphäre
des Traumes gezogen. Wir Sänger tragen eine
große Verantwortung dem Komponisten und dem
Publikum gegenüber. Denn die Menschen kommen ja,
weil sie die Spiegelung des Seelenlebens wieder
erfahren wollen.
Wie
war es mit den ersten Auftritten?
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Meine
ersten Auftritte gestalteten sich als eine Reihe
von Kontrasten. Man lernt, wie man sich als junge
Sängerin der Öffentlichkeit präsentiert. Vor
allem lernt man mit seinem eigenen Nervenkostüm
umzugehen. Die ersten Schritte sind mit vielen
Facetten verhangen und man wünscht sich ja so
sehr die Anerkennung, dass man einen enormen
Stress spürt. Manches ist mir gelungen und
manches missglückt. |
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Ich
denke, das ist normal und gehört zu den
Lehrjahren. Das Publikum allerdings ist verwöhnt
durch die CD-Technik. Es möchte Perfektion und
geht hart mit den jungen Künstlern um. Gloria
Davy sagte immer: "Keiner steht von heute auf
morgen auf der Bühne der Met - das ist ein langer
Weg." Sie hat Recht. Erfolg hatte ich in
Hamburg. Bei einem Abend "Stars von
morgen". Ich habe Amelia - aus
"Maskenball" gesungen und die Elisabeth
aus dem "Thannhäuser". Riesig habe ich
mich gefreut, dass ich vom Publikum zum "Star
des Abends" gewählt wurde. So durfte ich an
einer Produktion des Opernstudios der Hamburger
Staatsoper mitwirken.
Wie
kam es zum Engagement in Trier?
Das
ist den üblichen Weg gegangen. Ich habe
vorgesungen und bin engagiert worden. Das
Vorsingen ist eine eigentümliche Angelegenheit.
Man spürt - wie viele Sänger es gibt und wie
knapp die Stellen sind.
Wie
sieht Ihr beruflicher Alltag am Theater in Trier
aus? Denn Sie müssen ja auch Operette singen. Wie
lässt sich das mit den großen Partien
vereinbaren, die Sie ja auch im Repertoire haben?
Ich
würde gern von der "Elsa" sprechen. Ich
habe viel über Wagner gelesen und über seine
Frauengestalten. Man muss mit einer großen Rolle
"schwanger" gehen, bis sie Teil von
einem selbst wird. Nur so kann man sie dem
Publikum nahebringen. Die Geschichte nämlich, die
diese Frau während des Operngeschehens erlebt. Wo
steht sie in ihrem Leben? Warum empfindet sie so
und nicht anders. Der "Lohengrin" ist
wohl die "italienische" Oper die Wagner
komponiert hat.
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